Lord Raven
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16.08.2016 00:00
„Sprung!“
Ein Lichtblitz zuckte durch die 5. Galaxie des Universums. Wo eben noch das 1. Kampfgeschwader der Raven stand, herrschte nun gähnende Leere. Das Sprungtor wechselte auf Standby, das Kühlmittel und die eisige Kälte des Raumes, kühlten es auf die Ausgangstemperatur herunter, während der Mond Passer Domesticus weiter friedlich seine ewigen Runden um den Planeten Corvus Corax zog. Auf dem Planeten selbst, Stille. Die Anspannung war greifbar, ob des bevorstehenden Kampfes in den Grenzgebieten der Galaxie. Doch die Raven wussten, dieser Kampf musste geführt werden. Die hohe Kunst der Diplomatie war eine Errungenschaft hochentwickelter Spezies, nicht aber der Daeli, ein feiges Volk, versucht sich hinter den großen Namen des Universums zu verstecken, sobald eine Reaktion auf die eigenen Untaten hingenommen werden musste. Nein, diese dreiste Feigheit war keiner Diplomatie würdig, das wussten alle. Und so überwog das ruhige Gewissen die Angst vor den eigenen Verlusten. Denjenigen Töchtern und Söhnen, welche diese Nacht nicht überleben sollten, würde ein würdiges Andenken gesetzt werden. Aus Stahl und Kristall.
Nur wenige Minuten zuvor, lag Tyranni Tyrannidae noch im Schatten des Planeten Corvus Rhipidurus, nun brachen die ersten Sonnenstrahlen am Rande des Planeten und warfen ihr wärmendes Licht auf jene Flotte, welche im Sekundenbruchteil einige hundert Systeme zurückgelegt hatte.
Lord Raven lies die Kommandanten ihre Systeme prüfen und und eventuelle Fehlspringer orten. Alle da. Alle System auf Go. Weit über 10.000 Schiffe, jedes einzelne kampferprobt und mit den besten Raven besetzt, warteten auf den Start. Plötzlich wurde es hell. Jetzt, als Tyrannidae den Kernschatten von Rhipidurus verlassen hatte, glänzte die polierte Wolfram-Molybdän-Legierung des Zerstörers „Albus“ in eben jenem Schein. Lord Raven nahm platz und rechnete. Er wusste seit langem, dass die Putzerfische, wie die Flotte von Recyclern liebevoll genannt wurde, irgendwann an ihre Kapazitätsgrenze stoßen würde. Heute war es so weit - doch das war nicht weiter von Bedeutung.
„Labrichthyini startklar“, Lord Raven nickte. Nicht weit entfernt erglommen etliche Lichter. Einer nach dem anderen starteten die Recycler ihre feststoffgetriebenen Triebwerke um lautlos in die Dunkelheit der Galaxie zu entschwinden.
Eine Schande, dachte Lord Raven, die fähigsten Ingenieure des Universums hatten es bis dato nicht zustande gebracht, die Putzerfische mit anständigen Triebwerken auszustatten. Doch auf die Besatzungen war verlass, sie würden pünktlich an jenem Ort sein, an dem ihre Dienste verlangt wurden. Die Daelis würden mit ansehen müssen, wie die Reste ihrer jämmerlichen Flotte im Schlund der Putzerfische verschwinden. Doch wie viele Tonnen würden zurückbleiben, wenn die Schiffe ihre Heimreise antreten? Die Berechnungen erwiesen sich als schwierig, denn aufgrund der höchsten Geheimhaltungsstufe dieser Mission, musste mit veralteten Spionageberichten gearbeitet werden – nichts sollte die Daeli vor dem bevorstehenden Angriff warnen. Ein Blick in die Phalanx zeigt das Ziel der Mission: Die Hauptflotte der Daeli, überwiegend bewaffnet, bahnten sich ihren Weg zurück in heimische Gefilde. Niemand an Bord würde ahnen, dass bald ein Sturm über sie hereinbrechen würde, der ihrer aller Seelen ins Jenseits befördern würde.
Jetzt erst gab Lord Raven die Koordinaten von „Trolony“ an die Flotte raus. Die Lichtkegel, das gleißende Weiß, der nun startenden Triebwerke muss aus dem Nachbarsystem sichtbar gewesen sein. Etwas Großes, etwas Böses wurde von den Daeli geweckt, als sie die wehrlosen Einwohner von Andor überfallen hatten.
"Heute Nacht kosten wir den Schmerz der Daeli!"
Das Timing lief, trotz Interferenzen, perfekt. Die Flotte schaffte es die Daelis auf eine Sekunde genau abzupassen.
"T-10."
An Bord des 1. Kampfgeschwaders wurde es spürbar hektisch. Geschütze wurden geladen, Zielsysteme kalibriert, Torpedos scharf gemacht und die Schildgeneratoren unter Volllast gesetzt.
"T-1." Angespanntes Schweigen, Stoßgebete, liebevolle Gedanken an die Familien daheim - und es ward Dunkelheit.
Eine Schlacht wurde entfesselt, wie sie die Raven noch nicht geschlagen hatten. Würde es im verfluchten All Schallleiter geben, das Trommelfeuer der Geschütze hätte allen beteiligten den letzten Nerv geraubt. Doch es war totenstill, Blitze zuckten, Torpedos steuerten in ihr Ziel, Schiffe implodierten, Trümmerteile trieben unkontrolliert durch das Kampfgeschehen. Erst als das letzte Daeli-Schiff zerbrach, wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Die Daelis hatten auf ganzer Linie versagt. Sie wurden von der Wucht des Angriffs vollkommen überwältigt, sodass selbst die stationierten Schiffe keine Chance hatten. Sie konnten gerade noch abheben, flogen aber in den sicheren Tod.
Wenige Sekunden später beobachtete Lord Raven wie die Putzerfische ihre Arbeit verrichteten. Schnell und effizient wurde aufgeräumt – einzig das Trümmerfeld war tatsächlich größer als erhofft. Abschaum und Piraten des Weltalls sollten sich daran laben, die Raven hatten den Daeli'schen Schmerz gekostet und zogen sich zurück.
"Mission beendet." funkte Lord Raven gen Heimat.
Doch unter den Trümmern des Schlachtfeldes, in der Atmosphäre des Planeten Trolony, schien der aufkommende Hass greifbar. Die Daeli konnten Ihre Niederlage nicht eingestehen. Sie hatten aus ihren Fehler nicht gelernt, nicht im geringsten. Kaum waren die Raven in ihrem Heimathafen eingelaufen, stiegen vereinzelte Geschwader der Daeli auf um erneut sinnlosen Tod und Verderben über die Kolonien der Númenór zu bringen. Diese Nachrichten trafen Lord Raven ins Mark. Sollten all die Kinder sinnlos gestorben sein? Lord Raven dachte lange nach, doch dann:
"Entsendet Colonial 7 in das System der Daeli und wenn Sie dieses Zeichen nicht verstehen und nicht letztlich Frieden geben, werden Sie den Tag verfluchen, an dem Sie die Zeichen der Zeit in den Wind geschlagen haben."
Hauptkommentar
Ein Lichtblitz zuckte durch die 5. Galaxie des Universums. Wo eben noch das 1. Kampfgeschwader der Raven stand, herrschte nun gähnende Leere. Das Sprungtor wechselte auf Standby, das Kühlmittel und die eisige Kälte des Raumes, kühlten es auf die Ausgangstemperatur herunter, während der Mond Passer Domesticus weiter friedlich seine ewigen Runden um den Planeten Corvus Corax zog. Auf dem Planeten selbst, Stille. Die Anspannung war greifbar, ob des bevorstehenden Kampfes in den Grenzgebieten der Galaxie. Doch die Raven wussten, dieser Kampf musste geführt werden. Die hohe Kunst der Diplomatie war eine Errungenschaft hochentwickelter Spezies, nicht aber der Daeli, ein feiges Volk, versucht sich hinter den großen Namen des Universums zu verstecken, sobald eine Reaktion auf die eigenen Untaten hingenommen werden musste. Nein, diese dreiste Feigheit war keiner Diplomatie würdig, das wussten alle. Und so überwog das ruhige Gewissen die Angst vor den eigenen Verlusten. Denjenigen Töchtern und Söhnen, welche diese Nacht nicht überleben sollten, würde ein würdiges Andenken gesetzt werden. Aus Stahl und Kristall.
Nur wenige Minuten zuvor, lag Tyranni Tyrannidae noch im Schatten des Planeten Corvus Rhipidurus, nun brachen die ersten Sonnenstrahlen am Rande des Planeten und warfen ihr wärmendes Licht auf jene Flotte, welche im Sekundenbruchteil einige hundert Systeme zurückgelegt hatte.
Lord Raven lies die Kommandanten ihre Systeme prüfen und und eventuelle Fehlspringer orten. Alle da. Alle System auf Go. Weit über 10.000 Schiffe, jedes einzelne kampferprobt und mit den besten Raven besetzt, warteten auf den Start. Plötzlich wurde es hell. Jetzt, als Tyrannidae den Kernschatten von Rhipidurus verlassen hatte, glänzte die polierte Wolfram-Molybdän-Legierung des Zerstörers „Albus“ in eben jenem Schein. Lord Raven nahm platz und rechnete. Er wusste seit langem, dass die Putzerfische, wie die Flotte von Recyclern liebevoll genannt wurde, irgendwann an ihre Kapazitätsgrenze stoßen würde. Heute war es so weit - doch das war nicht weiter von Bedeutung.
„Labrichthyini startklar“, Lord Raven nickte. Nicht weit entfernt erglommen etliche Lichter. Einer nach dem anderen starteten die Recycler ihre feststoffgetriebenen Triebwerke um lautlos in die Dunkelheit der Galaxie zu entschwinden.
Eine Schande, dachte Lord Raven, die fähigsten Ingenieure des Universums hatten es bis dato nicht zustande gebracht, die Putzerfische mit anständigen Triebwerken auszustatten. Doch auf die Besatzungen war verlass, sie würden pünktlich an jenem Ort sein, an dem ihre Dienste verlangt wurden. Die Daelis würden mit ansehen müssen, wie die Reste ihrer jämmerlichen Flotte im Schlund der Putzerfische verschwinden. Doch wie viele Tonnen würden zurückbleiben, wenn die Schiffe ihre Heimreise antreten? Die Berechnungen erwiesen sich als schwierig, denn aufgrund der höchsten Geheimhaltungsstufe dieser Mission, musste mit veralteten Spionageberichten gearbeitet werden – nichts sollte die Daeli vor dem bevorstehenden Angriff warnen. Ein Blick in die Phalanx zeigt das Ziel der Mission: Die Hauptflotte der Daeli, überwiegend bewaffnet, bahnten sich ihren Weg zurück in heimische Gefilde. Niemand an Bord würde ahnen, dass bald ein Sturm über sie hereinbrechen würde, der ihrer aller Seelen ins Jenseits befördern würde.
Jetzt erst gab Lord Raven die Koordinaten von „Trolony“ an die Flotte raus. Die Lichtkegel, das gleißende Weiß, der nun startenden Triebwerke muss aus dem Nachbarsystem sichtbar gewesen sein. Etwas Großes, etwas Böses wurde von den Daeli geweckt, als sie die wehrlosen Einwohner von Andor überfallen hatten.
"Heute Nacht kosten wir den Schmerz der Daeli!"
Das Timing lief, trotz Interferenzen, perfekt. Die Flotte schaffte es die Daelis auf eine Sekunde genau abzupassen.
"T-10."
An Bord des 1. Kampfgeschwaders wurde es spürbar hektisch. Geschütze wurden geladen, Zielsysteme kalibriert, Torpedos scharf gemacht und die Schildgeneratoren unter Volllast gesetzt.
"T-1." Angespanntes Schweigen, Stoßgebete, liebevolle Gedanken an die Familien daheim - und es ward Dunkelheit.
Eine Schlacht wurde entfesselt, wie sie die Raven noch nicht geschlagen hatten. Würde es im verfluchten All Schallleiter geben, das Trommelfeuer der Geschütze hätte allen beteiligten den letzten Nerv geraubt. Doch es war totenstill, Blitze zuckten, Torpedos steuerten in ihr Ziel, Schiffe implodierten, Trümmerteile trieben unkontrolliert durch das Kampfgeschehen. Erst als das letzte Daeli-Schiff zerbrach, wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Die Daelis hatten auf ganzer Linie versagt. Sie wurden von der Wucht des Angriffs vollkommen überwältigt, sodass selbst die stationierten Schiffe keine Chance hatten. Sie konnten gerade noch abheben, flogen aber in den sicheren Tod.
Wenige Sekunden später beobachtete Lord Raven wie die Putzerfische ihre Arbeit verrichteten. Schnell und effizient wurde aufgeräumt – einzig das Trümmerfeld war tatsächlich größer als erhofft. Abschaum und Piraten des Weltalls sollten sich daran laben, die Raven hatten den Daeli'schen Schmerz gekostet und zogen sich zurück.
"Mission beendet." funkte Lord Raven gen Heimat.
Doch unter den Trümmern des Schlachtfeldes, in der Atmosphäre des Planeten Trolony, schien der aufkommende Hass greifbar. Die Daeli konnten Ihre Niederlage nicht eingestehen. Sie hatten aus ihren Fehler nicht gelernt, nicht im geringsten. Kaum waren die Raven in ihrem Heimathafen eingelaufen, stiegen vereinzelte Geschwader der Daeli auf um erneut sinnlosen Tod und Verderben über die Kolonien der Númenór zu bringen. Diese Nachrichten trafen Lord Raven ins Mark. Sollten all die Kinder sinnlos gestorben sein? Lord Raven dachte lange nach, doch dann:
"Entsendet Colonial 7 in das System der Daeli und wenn Sie dieses Zeichen nicht verstehen und nicht letztlich Frieden geben, werden Sie den Tag verfluchen, an dem Sie die Zeichen der Zeit in den Wind geschlagen haben."