04:30 Uhr – oder die Frage, ob wir eigentlich noch ganz dicht sind
Heute Morgen klingelte mein Wecker um 04:30 Uhr.
Nicht, weil ich einen Flieger bekommen musste. Nicht, weil die Arbeit rief. Nein. Ich wollte einfach mal schauen, was unser schönes Uni Titania um diese gottlose Uhrzeit so treibt.
Spätestens an dieser Stelle darf sich jeder von uns einmal kurz fragen, ob wir eigentlich noch ganz dicht sind.
Aber gut – wir spielen OGame.
Die Antwort kennen wir also.

Die Wahrheit gehört allerdings auch dazu:
Aufgestanden bin ich erst um 06:30 Uhr.
Ich hatte den Wecker nämlich mehrfach ausgemacht und weitergeschlafen.
So viel also zum knallharten, rund um die Uhr wachsamen Fleeter Rob Westside.

Und das eigentlich Beste daran: Meine eigene Fleet stand zu diesem Zeitpunkt ebenfalls seit ungefähr zwei Stunden.
Vielleicht sollte man genau das erwähnen, bevor man sich über die Fehler anderer Spieler erhebt.
Denn am Ende sind wir alle nur Menschen.
Wir schlafen ein. Der Akku geht leer. Die Arbeit ruft. Die Familie braucht einen. Irgendetwas passiert im RL. Man vergisst etwas. Man macht einen Fehler.
Und manchmal kostet dieser Fehler eben ein paar Milliarden Ress.
Oder ein paar mehr.
Aber wer ist eigentlich dieser Rob?
Rob Westside.
Oder einfach Rob.
Manche kennen mich vielleicht als den schönen Rob, andere als den freundlichen Rob. Und irgendwann in meiner OGame-Vergangenheit war ich auch schon einmal als Remos unterwegs.
Ich spiele dieses Spiel schon ziemlich lange – allerdings mit einer gewissen Tradition:
Anfangen. Spielen. Suchten. Aufhören. Wiederkommen.

Ich habe über die Jahre viele Universen gesehen. Oft waren es nur zwei oder drei Monate.
Manchmal lief es richtig gut.
Manchmal ging ich down.
Manchmal verlor ich die Lust.
Und ziemlich oft machte das sogenannte RL einfach das, was es besonders gut kann:
Es machte einem einen Strich durch die Rechnung.
Dann war OGame plötzlich nicht mehr wichtig.
Und irgendwann kam dieser merkwürdige Moment wieder, den wahrscheinlich viele hier kennen:
„Ach, ich könnte ja mal wieder reinschauen …“
Ein fataler Gedanke.

Neues Uni.
Neue Minen.
Neue Fleet.
Neue Ziele.
Und der ganze Wahnsinn beginnt von vorne.
Titania ist für mich deshalb etwas Besonderes.
Dieses Uni spiele ich inzwischen seit fast einem Jahr. Für meine persönlichen OGame-Verhältnisse grenzt das bereits an eine Langzeitbeziehung.
Mittlerweile stehe ich auf Platz 3.
Ja, ich nutze DM.
Ja, ich investiere.
Und dass DM, sinnvoll eingesetzt, beim Aufbau von Minen und Fleet einen Vorteil bringt, müssen wir unter erfahrenen OGame-Spielern wahrscheinlich nicht diskutieren.
Aber DM fliegt keine Angriffe.
DM beobachtet keinen Gegner.
Und DM verhindert vor allem nicht, dass der Besitzer morgens seinen Wecker ausdrückt und seine eigene Fleet zwei Stunden stehen lässt.

Vielleicht ist genau das der Punkt
Je länger ich OGame spiele, desto mehr stelle ich fest, dass es am Ende gar nicht nur um Punkte, Fleet, Minen und KBs geht.
Es sind die Menschen.
Und davon trifft man hier wirklich jede verdammte Sorte.
Man trifft Menschen mit einem Ego, das größer ist als ihre Fleet. Man trifft Selbstdarsteller, schlechte Gewinner und noch schlechtere Verlierer. Man begegnet Charakteren, bei denen man manchmal das Gefühl bekommt, dass dieses Browsergame eine Bedeutung in ihrem Leben angenommen hat, die ihm vielleicht gar nicht zustehen sollte.
Aber bevor wir mit dem Finger auf andere zeigen:
Wir stellen uns nachts Wecker, um virtuelle Raumschiffe zu beobachten.
Wir sind also vermutlich alle ein bisschen bekloppt.

Und genau deshalb finde ich die andere Seite von OGame so viel schöner.
Man trifft hier nämlich auch auf richtig vernünftige, freundliche und sympathische Menschen.
Menschen, die dieses Spiel einfach gerne spielen.
Die taktisch denken.
Die gewinnen wollen.
Die sich gegenseitig jagen und trotzdem miteinander lachen können.
Die nach einem guten KB gratulieren können – auch wenn es die eigene Fleet war.
Und mit denen man einfach vernünftig kommunizieren kann.
Vielleicht fällt einem das gerade deshalb so positiv auf, weil man im RL schon oft genug mit Menschen zu tun hat, bei denen genau dieser respektvolle Umgang leider nicht selbstverständlich ist.
Für mich gehört deshalb etwas ganz Entscheidendes zu OGame:
Respekt.
Ich möchte gewinnen. Ich möchte Fleet schießen. Ich spiele taktisch und wenn sich eine Gelegenheit ergibt, werde ich sie nutzen.
Aber am anderen Ende sitzt ein Mensch.
Mit einem Job. Einer Familie. Freunden. Problemen. Einem Leben außerhalb dieses Spiels.
Vielleicht ist er gerade eingeschlafen.
Vielleicht ist sein Akku leer.
Vielleicht musste er plötzlich los.
Vielleicht hat er schlicht einen Fehler gemacht.
Und manchmal sitzt am anderen Ende vielleicht sogar eine KI.

Aber solange dort ein Mensch sitzt, sollte man sich auch so verhalten.
Ein großer KB macht mich nicht zu einem besseren Menschen.
Und eine zerstörte Fleet macht den anderen nicht zu einem schlechteren Spieler.
Heute Gewinner. Morgen Opfer.
OGame kann diese Rollen verdammt schnell tauschen.
Das habe ich selbst oft genug erlebt.
Und damit zurück zu heute Morgen
Natürlich schaut man um diese Uhrzeit nicht völlig ziellos ins Uni.
Ein paar Kandidaten hat man schließlich immer auf dem Zettel.
Einer davon:
BoZZrilla.
Timer.
Spio raus.
Und dann dieser Moment, bei dem man zweimal hinschaut:
Die Fleet steht.
Eigentlich wollte ich es nicht glauben.
BoZZrilla ist schließlich niemand, bei dem man normalerweise vorbeikommt und mal eben 810 Milliarden Fleet herumstehen sieht.
Er kennt das Spiel.
Er kennt seine Tricks und Kniffe.
Und nach meiner bisherigen Erfahrung ist dieser verdammte Kerl gefühlt sowieso immer on.

Also noch einmal geschaut.
Sie stand immer noch.
Und sie stand länger.
Keine Ahnung, was heute Morgen passiert ist.
Und eigentlich geht es mich auch nichts an.
Vielleicht war es genau einer dieser Momente, in denen das RL zuschlägt. Vielleicht kam etwas dazwischen. Vielleicht war es einfach einer dieser Fehler, die wir alle irgendwann machen.
Ich hatte ja gerade selbst zwei Stunden lang vorgemacht, wie schnell so etwas passieren kann.
Aber eines war klar:
Wenn es heute eine Chance gibt, dann ist es diese.
Also bin ich geflogen.
Mit diesem merkwürdigen Gefühl zwischen:
„Das kann doch niemals funktionieren.“
und
„Wenn du es jetzt nicht machst, ärgerst du dich morgen noch darüber.“
Und dann …
zack.
810 Milliarden Fleet down.
Und ausgerechnet BoZZrilla …
Das Ganze hat natürlich noch eine kleine Vorgeschichte.
Vor ein paar Wochen war die Rollenverteilung nämlich genau andersherum.
Damals schrottete mir BoZZrilla etwas über eine Million Schlachtkreuzer.
Und ich war – um es diplomatisch auszudrücken – pappesatt.

Vor allem deshalb, weil es kein unfassbar ausgeklügelter taktischer Geniestreich war.
Meine Fleet stand.
BoZZrilla flog.
Und ich?
Saß im Garten.
Eigentlich hätte ich alles im Blick haben können.
Aber irgendwann verabschiedete sich der Akku meines Handys.
Und wenig später verabschiedeten sich auch meine Schlachtkreuzer.
Über eine Million Stück.
Down.
Das ist dann der Moment, in dem selbst der schöne Rob für ein paar Minuten nicht mehr ganz so schön guckt.

Aber was willst du machen?
Mein Fehler.
Mein Pech.
Sein KB.
So ist OGame.
Und vielleicht ist genau deshalb der heutige Treffer – bei allem Mitgefühl – auch ein kleines bisschen Balsam für die Seele.
Am Ende stehen für mich rund 380 Milliarden Ressourcen Gewinn plus etwa 50 Milliarden Bruchfeld.
Das nimmt man dann doch ganz gerne mit.

Dass BoZZrilla anschließend in den Urlaubsmodus gegangen ist, kann ich vollkommen verstehen.
Und deshalb möchte ich bei all den Zahlen auch eines ausdrücklich sagen:
Ich mochte die Kommunikation mit BoZZrilla immer.
Ich habe ihn als fairen, freundlichen und sympathischen Spieler erlebt.
Deshalb weiß ich auch, dass auf der anderen Seite heute jemand sitzt, dessen Morgen vermutlich wesentlich beschissener gelaufen ist als meiner.
Und ja:
Das tut mir leid.
Das meine ich tatsächlich so.
Ich weiß schließlich ziemlich genau, wie sich das anfühlt.
Aber wir spielen OGame.
Und wenn 810 Milliarden Fleet vor einem stehen, dann wäre es vermutlich etwas zu viel Freundlichkeit vom freundlichen Rob gewesen, einfach wieder nach Hause zu fliegen.

Eine Chance ist eine Chance.
Heute war sie da.
Also musste ich sie nutzen.
Nicht aus Häme.
Nicht aus Schadenfreude.
Und ganz sicher nicht, weil ich BoZZrilla irgendetwas Schlechtes wünsche.
Respekt an BoZZrilla.
Für die bisherigen Begegnungen, für die faire Kommunikation – und selbstverständlich auch für die Million Schlachtkreuzer, die er mir vor ein paar Wochen fachgerecht aus dem Account entfernt hat.

Heute hat sich das Blatt gedreht.
Morgen kann es schon wieder anders aussehen.
Genau deshalb spielen wir dieses verrückte Spiel schließlich immer noch.
Und vielleicht brauchte Titania heute Morgen genau diesen KB.
Damit dieses Uni weiterlebt.
In diesem Sinne:
Gute Erholung an BoZZrilla.
Und von Rob Westside – dem schönen Rob, dem freundlichen Rob, Remos oder einfach nur Rob:
Respekt an alle, die dieses Spiel mit Ehrgeiz spielen, aber nie vergessen, dass am anderen Ende immer noch ein Mensch sitzt.
Und jetzt dürfen wir uns wieder um unsere virtuellen Raumschiffe kümmern.
Wir sind schließlich alle ein bisschen bekloppt.
Kommentarer
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Glückwunsch zum KB. Sowas muss man auch erstmal umfliegen können
Auf Fälle, Zeiten und richtigen Satzbau wurde geachtet.
Kommas und Satzzeichen an der richtigen Stelle.
Das ist sehr beeindruckend.
Also kein Schaumschläger. ^^
MfG Arek
Hat nur leider den falschen erwischt.
So ist das Leben, so ist das Spiel
Wenn ich körperlich wieder fit bin, komme ich wieder. Titania wird mich nicht los.
In diesem Sinne, schön Sonntag euch allen.
Gruß KnackundBack
Ich habe die BAR zwar gerade verlassen aber dennoch stimme ich deinen Worten komplett zu.
Ich mag Bozz sehr gerne und bin aus einem ganz bestimmten Grund gegangen nicht weil es langweilig war oder zu hektisch auch nicht weil ich mit einigen Leuten im Voice war was mit dem kb jetzt vllt blöd rüberkommt.
Dennoch muss ich dir gratulieren da ich weiß dass du, ein sehr vernünftiger bist mit dem man gut quatschen kann. Natürlich heißt das nicht dass man sich nicht mehr anfliegt aber zum Game gehört nunmal auch die Kommunikation mit anderen Spielern aus dem Uni sei es ein Verbündeter oder nicht. Es sind Menschen die vlt. außerhalb des Games beste Freunde wären. Von solchen Unterhaltungen lebt das Game eben auch.
Ich war mir sehr vielen Leuten im Voice und kann wenigstens von diesen Uni behaupten nur gute Leute getroffen zu haben
So das war mein Gelaber ich klicke meine Minen weiter
LG Yoshi