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Nachts lag sie starr, ruhte sie da. Das Licht kitzelte sie wie Kinder einander zum Lachen bringen. Sie kicherte, fast wahnsinnig klangen sie. Diese Töne, Geräusche, das Knarzen und Donnern. Dort war nichts, konnte nichts sein, wie auch? Er musste halluzinieren, akustische Verrücktheiten seines Verstandes ausbalancieren. Wie sollte die Waffe mit ihm sprechen?.. Es war schlicht nicht möglich, es konnte nicht sein und doch flüsterte Sie. Die Axt der alten und neuen Tage, des ewigen Bundes, sie flüsterte dem Krieger zu. Sie sang ihm ein Sirenenlied, solange, bis er tatsächlich nicht nur zuhören musste, sondern WOLLTE. Es dürstete sie, wie es sie immer dürstet. Nie war sie gesättigt und konnte sie auch noch so getränkt sein in Blut und Schmerz.
Er sollte sie berühren, sie anfassen. Erst lieblich, dann mit Wucht sollte sie Leben von Leben trennen, Liebe von Schmerz und Gier von Lust. Er konnte nicht ruhen, nein, viel mehr, er sollte nicht ruhen. Er durfte nicht ruhen. Er erhob sich nicht, er wurde erhoben, aufgerichtet. Nicht er war es, der sich in diese sternenklare Nacht begab, um.. Um was? Zu morden? Nein, Mord war eine ausgesprochen profane Angelegenheit. Er, oder viel mehr er als Erweiterung ihres Schafts, ihrer Klinge, war ein Werkzeug geworden für Höheres. Er mordete nicht, er erschuf und erschlug die Dämonen, die der Schlaf der Vernünftigen gebar. Ein Schlaf, dem er lange nicht nachgegeben hatte und doch noch nicht fern genug schien.
Sie zerrte ihn durch die Kälte, doch kalt war ihm nicht. Mit ihr durchbrach er Eis und Frost, doch sein Blut kochte. Gemeinsam schnitten sie durch die Nacht, die keine war, die ewig tief im Tale lag. Die Ekstase stieg in ihm auf, er roch Blut. Sein eigenes? Wessen? Seines!
Ein Schein durchbrach die Finsternis als er ihn ruhen sah, ganz sanft, fast kindlich, wie er lag. Er schlief jenen Schlaf der Gerechten, die sie doch alle ungerecht werden ließ, oder nicht? Vielleicht war er unschuldig? Dies oblag nicht ihm zu entscheiden, der ewig darbte an einem Ort ohne Fenster und Türen.
Ein Hieb, ein Schnitt, das Geräusch zerreißender Sehnen und Muskeln. Blut, dass in dem Moment gefror, in dem es den Waldboden bedeckte. Die Jagd war zu Ende, die Jagd, sie begann..
(C) Faust