Lord Raven
Auteur
16/04/2019 21:29
Seine Lordschaft griff sich an die Stirn, um den plötzlich einsetzenden stechenden Schmerz zu begegnen.
"Leichtfertig! Wir haben diese Chance leichtfertig verschenkt!"
Der Adjutant stand ihm noch immer mit leerem, fahlem Gesicht gegenüber. Kalter Angstschweiß rann ihm den Rücken und die Stirn herunter. Seiner Lordschaft schlechte Nachrichten dieses Kalibers zu überbringen, das wusste er, war nicht sonderlich förderlich für seine Karriere. Er wäre nicht der erste, den seine Lordschaft in Wut in die Brig schmeißt.
"Sammelt die Geschwader wieder ein, stationiert sie wie gehabt auf Passer Gongonensis aber lasst das Ziel nicht aus den Augen. Wo befindet es sich jetzt gerade?"
"Die feindliche Flotte verlegt vom Trabanten in die Atmosphäre von "Snickers", Euer Lordschaft."
"Nun gut, vielleicht können wir das nutzen! Alarmstufe Gelb, Sensoren auf Doppeltaktung, zieht unsere Putzerfische zusammen.
Bis Ostern haben wir ihn niedergestreckt! Das hatte seine Lordschaft sich und seinen Untertanen versprochen. Die vergangenen Monate waren karg und voller Entbehrungen. Eine galaktische Entenplage macht ihnen und vielen anderen zu schaffen. Diese Space-Ente auf Speed frisst das ganze Universum leer, kommt meist Nachts und verleibt sich ein unfähiges Reich nach dem anderen ein. Ohne Reue, ohne Rücksicht auf die anderen Prädatoren in diesem Quadranten des Laniakea-Clusters. Bewundernswert - auf der einen Seite. Ein echtes Problem für die Artenvielfalt und somit die Nachschubversorgung für die Raven und andere. Doch dieses Opfer wird auf seiner Platte liegen. Ein Rabenmahl wie es schön mundgerecht in die Schlünde der eigenen Putzerfische passt.
"WIR HABEN SIE IN DER PHALANX!"
Lord Raven schreckt aus seinen Gedanken hoch. Ein finsteres Grinsen zeichnete sich in seinem Gesicht. Wenn es für keine Entenbrust reicht, dann gibt es halt die vegetarische Variante! Paniertes Tofu Süß-Sauer!
„Sprung!“
Ein Lichtblitz zuckte durch die 6. Galaxie des Universums. Wo eben noch das 1. Kampfgeschwader der Raven stand, herrschte nun gähnende Leere. Das Sprungtor wechselte auf Standby, die Kühlmittel und die eisige Kälte des Raumes, kühlten es auf die Ausgangstemperatur herunter, während der Mond Passer Gongonensis weiter friedlich seine ewigen Runden um den Planeten Sagittarius Serpenta zog. Auf dem Planeten selbst, Stille. Die Anspannung war greifbar, ob des nun bevorstehenden Kampfes in den Grenzgebieten der Galaxie.
Nur wenige Minuten zuvor, lag Passer Melanurus noch im Schatten des Planeten Cathartes Melambrotu, nun brachen die ersten Sonnenstrahlen am Rande des Planeten und warfen ihr wärmendes Licht auf jene Flotte, welche im Sekundenbruchteil eine ganze Galaxy überbrückt hatte.
Lord Raven lies die Kommandanten ihre Systeme prüfen und und eventuelle Fehlspringer orten. Alle da. Alle System auf Go. Fast 30.000 Schiffe, jedes einzelne kampferprobt und mit den besten Raven besetzt, warteten auf den Start. Plötzlich wurde es hell. Jetzt, als Melanurus den Kernschatten von Cathartes Melambrotu verlassen hatte, glänzte die polierte Wolfram-Molybdän-Legierung des Zerstörers „Albus“ in eben jenem Schein. Lord Raven nahm platz und rechnete. Er wusste seit langem, dass die Putzerfische, wie die Flotte von Recyclern liebevoll genannt wurde, irgendwann an ihre Kapazitätsgrenze stoßen würde. Heute war es fast weit - sie würden hoffentlich bis Achtern gefüllt zurückkehren.
„Labrichthyini startklar“ hallte es aus dem kleinen Lautsprecher auf der Brücke, Lord Raven nickte. Nicht weit entfernt erglommen etliche Lichter. Einer nach dem anderen starteten die Recycler ihre feststoffgetriebenen Triebwerke um lautlos in die Dunkelheit der Galaxie zu entschwinden.
Eine Schande, dachte Lord Raven, die fähigsten Ingenieure des Universums hatten es bis dato nicht zustande gebracht, die Putzerfische mit anständigen Triebwerken auszustatten. Doch auf die Besatzungen war verlass, sie würden pünktlich an jenem Ort sein, an dem ihre Dienste verlangt wurden. Die Soyahändler Tofu würden mit ansehen müssen, wie die Trümmer ihrer jämmerlichen Flotte im Schlund der Putzerfische verschwinden.
Ein Blick in die Phalanx zeigt das Ziel der Mission: Die Hauptflotte der TOFUs, überwiegend bewaffnet, bahnten sich ihren Weg zurück in heimische Gefilde. Niemand an Bord konnte erahnen, dass bald ein Sturm über sie hereinbrechen würde, der ihrer aller Seelen ins Jenseits befördern würde.
Seine Lordschaft macht seinem Adjutanten mit einem Nicken verständlich, dass die Flotte in der erprobten Taktung gen Snickers starten sollte. Die Lichtkegel, das gleißende Weiß, der nun startenden Triebwerke muss aus dem Nachbarsystem sichtbar gewesen sein.
"Heute Nacht kosten wir Tofu!"
Das Timing lief, trotz Interferenzen, perfekt. Die Flotte schaffte es die Sojakeimlinge auf zwei Sekunden genau abzupassen.
--------------------------------------------------
"T-10."
An Bord des 1. Kampfgeschwaders wurde es spürbar hektisch. Geschütze wurden geladen, Zielsysteme kalibriert, Torpedos scharf gemacht und die Schildgeneratoren unter Volllast gesetzt.
"T-1." Angespanntes Schweigen, Stoßgebete, liebevolle Gedanken an die Familien daheim - und es ward Dunkelheit.
Eine Schlacht wurde entfesselt, wie sie die Raven noch nicht geschlagen hatten. Würde es im verfluchten Weltraum Schallleiter geben, das Trommelfeuer der Geschütze hätte allen beteiligten den letzten Nerv geraubt. Doch es ward totenstille, während Blitze zuckten, Torpedosalven in ihr Ziel steuerten, Schiffe implodierten, Trümmerteile unkontrolliert durch das Kampfgeschehen trieben. Erst als das letzte Tofuschiff zerbrach, wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Die Tofus hatten auf ganzer Linie versagt. Sie wurden von der Wucht des Angriffs vollkommen überwältigt, sodass selbst die stationierten Schiffe keine Chance hatten. Sie konnten gerade noch abheben, flogen aber in den sicheren Tod.
Wenige Minuten später beobachtete seine Lordschaft wie die Putzerfische ihre Arbeit verrichteten. Schnell und effizient wurde aufgeräumt und somit Nachschub für die heimische Wirtschaft ran geschafft.
"Mission beendet, frohe Ostern!"
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"Leichtfertig! Wir haben diese Chance leichtfertig verschenkt!"
Der Adjutant stand ihm noch immer mit leerem, fahlem Gesicht gegenüber. Kalter Angstschweiß rann ihm den Rücken und die Stirn herunter. Seiner Lordschaft schlechte Nachrichten dieses Kalibers zu überbringen, das wusste er, war nicht sonderlich förderlich für seine Karriere. Er wäre nicht der erste, den seine Lordschaft in Wut in die Brig schmeißt.
"Sammelt die Geschwader wieder ein, stationiert sie wie gehabt auf Passer Gongonensis aber lasst das Ziel nicht aus den Augen. Wo befindet es sich jetzt gerade?"
"Die feindliche Flotte verlegt vom Trabanten in die Atmosphäre von "Snickers", Euer Lordschaft."
"Nun gut, vielleicht können wir das nutzen! Alarmstufe Gelb, Sensoren auf Doppeltaktung, zieht unsere Putzerfische zusammen.
Bis Ostern haben wir ihn niedergestreckt! Das hatte seine Lordschaft sich und seinen Untertanen versprochen. Die vergangenen Monate waren karg und voller Entbehrungen. Eine galaktische Entenplage macht ihnen und vielen anderen zu schaffen. Diese Space-Ente auf Speed frisst das ganze Universum leer, kommt meist Nachts und verleibt sich ein unfähiges Reich nach dem anderen ein. Ohne Reue, ohne Rücksicht auf die anderen Prädatoren in diesem Quadranten des Laniakea-Clusters. Bewundernswert - auf der einen Seite. Ein echtes Problem für die Artenvielfalt und somit die Nachschubversorgung für die Raven und andere. Doch dieses Opfer wird auf seiner Platte liegen. Ein Rabenmahl wie es schön mundgerecht in die Schlünde der eigenen Putzerfische passt.
"WIR HABEN SIE IN DER PHALANX!"
Lord Raven schreckt aus seinen Gedanken hoch. Ein finsteres Grinsen zeichnete sich in seinem Gesicht. Wenn es für keine Entenbrust reicht, dann gibt es halt die vegetarische Variante! Paniertes Tofu Süß-Sauer!
„Sprung!“
Ein Lichtblitz zuckte durch die 6. Galaxie des Universums. Wo eben noch das 1. Kampfgeschwader der Raven stand, herrschte nun gähnende Leere. Das Sprungtor wechselte auf Standby, die Kühlmittel und die eisige Kälte des Raumes, kühlten es auf die Ausgangstemperatur herunter, während der Mond Passer Gongonensis weiter friedlich seine ewigen Runden um den Planeten Sagittarius Serpenta zog. Auf dem Planeten selbst, Stille. Die Anspannung war greifbar, ob des nun bevorstehenden Kampfes in den Grenzgebieten der Galaxie.
Nur wenige Minuten zuvor, lag Passer Melanurus noch im Schatten des Planeten Cathartes Melambrotu, nun brachen die ersten Sonnenstrahlen am Rande des Planeten und warfen ihr wärmendes Licht auf jene Flotte, welche im Sekundenbruchteil eine ganze Galaxy überbrückt hatte.
Lord Raven lies die Kommandanten ihre Systeme prüfen und und eventuelle Fehlspringer orten. Alle da. Alle System auf Go. Fast 30.000 Schiffe, jedes einzelne kampferprobt und mit den besten Raven besetzt, warteten auf den Start. Plötzlich wurde es hell. Jetzt, als Melanurus den Kernschatten von Cathartes Melambrotu verlassen hatte, glänzte die polierte Wolfram-Molybdän-Legierung des Zerstörers „Albus“ in eben jenem Schein. Lord Raven nahm platz und rechnete. Er wusste seit langem, dass die Putzerfische, wie die Flotte von Recyclern liebevoll genannt wurde, irgendwann an ihre Kapazitätsgrenze stoßen würde. Heute war es fast weit - sie würden hoffentlich bis Achtern gefüllt zurückkehren.
„Labrichthyini startklar“ hallte es aus dem kleinen Lautsprecher auf der Brücke, Lord Raven nickte. Nicht weit entfernt erglommen etliche Lichter. Einer nach dem anderen starteten die Recycler ihre feststoffgetriebenen Triebwerke um lautlos in die Dunkelheit der Galaxie zu entschwinden.
Eine Schande, dachte Lord Raven, die fähigsten Ingenieure des Universums hatten es bis dato nicht zustande gebracht, die Putzerfische mit anständigen Triebwerken auszustatten. Doch auf die Besatzungen war verlass, sie würden pünktlich an jenem Ort sein, an dem ihre Dienste verlangt wurden. Die Soyahändler Tofu würden mit ansehen müssen, wie die Trümmer ihrer jämmerlichen Flotte im Schlund der Putzerfische verschwinden.
Ein Blick in die Phalanx zeigt das Ziel der Mission: Die Hauptflotte der TOFUs, überwiegend bewaffnet, bahnten sich ihren Weg zurück in heimische Gefilde. Niemand an Bord konnte erahnen, dass bald ein Sturm über sie hereinbrechen würde, der ihrer aller Seelen ins Jenseits befördern würde.
Seine Lordschaft macht seinem Adjutanten mit einem Nicken verständlich, dass die Flotte in der erprobten Taktung gen Snickers starten sollte. Die Lichtkegel, das gleißende Weiß, der nun startenden Triebwerke muss aus dem Nachbarsystem sichtbar gewesen sein.
"Heute Nacht kosten wir Tofu!"
Das Timing lief, trotz Interferenzen, perfekt. Die Flotte schaffte es die Sojakeimlinge auf zwei Sekunden genau abzupassen.
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"T-10."
An Bord des 1. Kampfgeschwaders wurde es spürbar hektisch. Geschütze wurden geladen, Zielsysteme kalibriert, Torpedos scharf gemacht und die Schildgeneratoren unter Volllast gesetzt.
"T-1." Angespanntes Schweigen, Stoßgebete, liebevolle Gedanken an die Familien daheim - und es ward Dunkelheit.
Eine Schlacht wurde entfesselt, wie sie die Raven noch nicht geschlagen hatten. Würde es im verfluchten Weltraum Schallleiter geben, das Trommelfeuer der Geschütze hätte allen beteiligten den letzten Nerv geraubt. Doch es ward totenstille, während Blitze zuckten, Torpedosalven in ihr Ziel steuerten, Schiffe implodierten, Trümmerteile unkontrolliert durch das Kampfgeschehen trieben. Erst als das letzte Tofuschiff zerbrach, wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Die Tofus hatten auf ganzer Linie versagt. Sie wurden von der Wucht des Angriffs vollkommen überwältigt, sodass selbst die stationierten Schiffe keine Chance hatten. Sie konnten gerade noch abheben, flogen aber in den sicheren Tod.
Wenige Minuten später beobachtete seine Lordschaft wie die Putzerfische ihre Arbeit verrichteten. Schnell und effizient wurde aufgeräumt und somit Nachschub für die heimische Wirtschaft ran geschafft.
"Mission beendet, frohe Ostern!"